Pressemitteilung vom 18.03.2026: Wenn Kinder durch das Netz fallen – Sprachförderung an Gemeinschaftsschulen
Pressemitteilung
Saarlouis, 18.03.26
Pressemitteilung: Wenn Kinder durch das Netz fallen – Sprachförderung an Gemeinschaftsschulen
Mit dem Modellprojekt „Startklar Deutsch“ hat das Bildungsministerium angekündigt, die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern bereits frühzeitig vor der Einschulung zu erfassen und gezielt zu fördern. „Kein Kind soll mehr durchs Netz fallen“, betonte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot in der Saarbrücker Zeitung am 24. Februar 2026. Auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hob auf ihrem Facebook-Account hervor, dass kein Kind ohne Deutschkenntnisse zur Schule gehen sollte.
Doch während die Vorschläge für die Grundschule sinnvoll erscheinen, wird ein zentrales Problem übersehen: „Einschulungen“ finden nicht nur an Grundschulen statt – eine hohe Anzahl geflüchteter Kinder tritt jedes Jahr ohne Deutschkenntnisse in Gemeinschaftsschulen ein. Sie werden altersentsprechend der jeweiligen Klassenstufe zugeteilt und sind dort mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Der Anteil dieser Kinder variiert je nach Gemeinschaftsschule, doch das Grundproblem bleibt, egal ob bei einem Kind oder vielen: „Alle Kinder stehen vor denselben Fragen: Wie finde ich mich zurecht? Wie sage ich, wenn es mir nicht gut geht? Wie frage ich, wenn ich zur Toilette muss? Wie kann ich Freunde finden? Und wie kann ich dem Unterricht folgen?“, erklärt Britta Magenreuter (stellvertretende Vorsitzende des SLLV und Referentin für Gemeinschaftsschulen).
Die Realität an den Gemeinschaftsschulen zeigt:
- Sprachförderlehrkräfte sind Mangelware – viele Schulen haben keine professionelle Sprachförderung
- DaZ-Unterricht beschränkt sich oft auf zwei Stunden pro Woche und wird häufig auf die regulären Deutschlehrer:innen übertragen
- Übersetzungsapps werden als Notlösung im Unterricht verwendet, um Kommunikation zu ermöglichen
- Das „Sprachbad“ auf dem Schulhof oder in der Klasse findet kaum statt, da die Kinder meist unter sich bleiben
Die Folgen für die Kinder im Unterricht sind gleich – ob Grundschule oder Gemeinschaftsschule:
- Kinder verstehen Anweisungen der Lehrkräfte nicht
- Sie können dem Unterricht nicht folgen
- Sozialer Anschluss und Freundschaften entstehen nur schwer
- Kinder werden frustriert, Lehrkräfte ebenfalls
- Teilweise kommt es zu Störungen im Unterricht, Müdigkeit oderÜberforderung in Pausen
Ausgehend davon fordert der SLLV dringend Maßnahmen:
- Vorbereitungsklassen oder Willkommenskurse: Jahrgangsübergreifende, intensive Vorbereitung auf Alltag und Schulleben, bevor Kinder in die Klassenstufe eintreten
- Aufstockung der DaZ-Stunden und mehr professionelle Sprachförderlehrkräfte für einen effektiven Spracherwerb
- Reduzierte Klassenteiler an Brennpunktschulen: Klassen mit hohem Anteil an DaZ-Lernenden sollten maximal 20 Kinder umfassen (derzeit 29)
- Durchgängiges Sprachförderkonzept – nicht nur in der Schuleingangsphase, nicht nur in Klasse 8/9 wie im neuen Projekt der Kooperationsklassen
- Dolmetscher:innen-PoolDie Herausforderungen, die an Saarlands Gemeinschaftsschulen heute sichtbar werden, zeigen: Sprachförderung darf nicht am Übergang von Kita zu Schule enden. Kinder, die Deutsch noch lernen, brauchen auch im höheren Alter konsequente, professionelle Unterstützung, damit sie dem Unterricht folgen können, Anschluss finden und echte Chancen im Bildungssystem haben. Ohne ausreichende Förderung laufen viele Kinder Gefahr, nicht wirklich am Unterricht teilzunehmen, sondern nur formal dabei zu sein.„Sprache entscheidet über Zukunftschancen – nicht nur im Kindergartenalter, sondern die ganze Schulzeit hindurch und darüber hinaus. Wer zu spät gefördert wird, fällt durch das Netz. Denn Unterstützung beim Deutschlernen ist kein Bonus, sondern die Voraussetzung, dass Kinder effektiv lernen und an Gesellschaft teilhaben können“, resümiert Magenreuter.
Die Pressemitteilung im PDF-Format: 2026 – 03 – 18 Wenn Kinder durch das Netz fallen – Sprachförderung an der Gemeinschaftschule
