Pressemitteilung vom 06.11.2026: Unterrichtsausfall ist nur die Spitze des Eisbergs
Saarlouis, 06.11.2026
Pressemitteilung: Unterrichtsausfall ist nur die Spitze des Eisbergs
71 Prozent der Saarländer:innen halten einen besseren Ausgleich von Unterrichtsausfällen für eine geeignete Maßnahme zur Verbesserung der Bildungsqualität. Das zeigt der aktuelle Saarlandtrend von Infratest dimap im Auftrag des Saarländischen Rundfunks. Für den Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) ist das ein wichtiges Signal: Verlässlicher Unterricht hat für die Menschen im Saarland einen hohen Stellenwert.
Doch die Zahl der tatsächlich ausfallenden Unterrichtsstunden bildet nur einen Teil der Realität an Schulen ab. Personelle Engpässe wirken sich auch dort auf die Bildungsqualität aus, wo Unterrichtsausfall organisatorisch aufgefangen wird und die Kinder weiterhin betreut werden. „Unterrichtsausfall ist nur die Spitze des Eisbergs. Wenn Kinder betreut sind, bedeutet das noch lange nicht, dass der Unterricht wie geplant stattfinden kann. Was dabei an Lernzeit und individueller Förderung verloren geht, ist für Eltern häufig gar nicht erkennbar“, erklärt Dominik Schwer, Landesvorsitzender des SLLV.
An weiterführenden Schulen wird Unterrichtsausfall häufig unmittelbar sichtbar, wenn Stunden entfallen. An Grund- und Förderschulen stellt sich die Situation teilweise anders dar: Kinder werden bei personellen Engpässen beispielsweise auf andere Klassen verteilt oder anderweitig betreut. Die Aufsicht bleibt gewährleistet, der geplante Unterricht kann jedoch nicht in gleicher Weise stattfinden.
Die Folgen des Personalmangels reichen dabei weit über einzelne Unterrichtsstunden hinaus. An allen Schulformen fehlen personelle Spielräume für Differenzierung und individuelle Förderung. Doppelbesetzungen und zusätzliche Förderangebote müssen zugunsten der Unterrichtsvertretung aufgegeben werden. An Grundschulen trifft es beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen: Lehrkräfte, die eigentlich den Übergang von der Kita in die Schule begleiten sollen, werden für Vertretungen benötigt. Diese wichtige pädagogische Arbeit bleibt dann auf der Strecke.
Aus Sicht des SLLV macht dies deutlich, dass die Debatte über Unterrichtsausfall über einzelne Vertretungsregelungen hinausgehen muss: Die Personalbemessung an Schulen muss überprüft und an die tatsächlichen Anforderungen des heutigen Schulalltags angepasst werden. Rechnerisch besetzte Stellen allein sagen wenig darüber aus, ob Unterricht, Förderung und Vertretung im Alltag verlässlich gewährleistet werden können.
„Von Schulen wird erwartet, dass sie sich kontinuierlich weiterentwickeln und auf neue Anforderungen einstellen. Ihre personelle Ausstattung braucht deshalb ebenfalls regelmäßige Updates. Es kann nicht sein, dass sich die Aufgaben der Schulen verändern, die Personalbemessung aber auf einem veralteten Stand bleibt. Sie muss mit der schulischen Realität Schritt halten“, erklärt Schwer.
Der SLLV fordert deshalb eine bedarfsgerechte Personalbemessung und hält an seiner Forderung nach einer Grundpersonalisierung von 120 Prozent fest. Ergänzend braucht es eine qualifizierte und funktionsfähige mobile Lehrkräftereserve, die auch die besonderen Anforderungen der Förderschulen berücksichtigt. Für den SLLV ist klar: Wer Bildungsqualität sichern will, muss die personellen Voraussetzungen für gute pädagogische Arbeit schaffen – in allen Schulformen und im täglichen Schulalltag.
Die Pressemitteilung im PDF-Format: 2026 – 11 – 05 Unterrichtsausfall ist nur die Spitze des Eisbergs
