Pressemitteilung vom 05.08.26: Die Zahlen bestätigen den Handlungsbedarf – Wachsende Systembelastung, fehlende Ressourcen
Saarlouis, 05.08.2026
Pressemitteilung: Die Zahlen bestätigen den Handlungsbedarf – Wachsende Systembelastung, fehlende Ressourcen
Am kommenden Montag beginnt im Saarland das neue Schuljahr. Für die Lehrkräfte bedeutet das auch in diesem Jahr: Sie stehen vor der Herausforderung, in vollen und heterogenen Klassen Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Unterstützungsbedarfen gerecht zu werden. Dass dies unter den aktuellen Rahmenbedingungen vielerorts kaum noch möglich ist, zeigen nun auch offiziell die vorliegenden Zahlen.
Denn mit dem Ende der Sommerferien legt die CDU-Landtagsfraktion einen 5-Punkte-Plan für einen „Neustart der Inklusion“ im Saarland vor. Darin beschreibt sie die Herausforderungen der inklusiven Beschulung an Regelschulen ebenso wie die wachsenden Belastungen an den Förderschulen. Die durch parlamentarische Anfragen offengelegten Zahlen bestätigen, worauf der SLLV seit Jahren hinweist: Die Anforderungen steigen, die notwendigen personellen und strukturellen Rahmenbedingungen wachsen jedoch nicht entsprechend mit.
So stehen laut CDU im Schuljahr 2025/26 an Grundschulen 154 und an Gemeinschaftsschulen 125,1 Förderschullehrkräfte zur Verfügung. Verteilt auf 1.781 Grundschulklassen und 1.172 Gemeinschaftsschulklassen entspricht dies durchschnittlich lediglich 2,33 beziehungsweise 2,88 Stunden sonderpädagogischer Unterstützung pro Klasse und Woche. Diese knappe Zeit wird zudem für Beratung, Diagnostik, Förderplanung, Organisation und teilweise Vertretungsunterricht benötigt. Für die eigentliche Förderung bleibt kaum noch Zeit.
Auch an den Förderschulen verschärft sich die Situation. Seit 2014/15 ist die Zahl der Schüler:innen dort um 18,6 Prozent gestiegen. Gleichzeitig fehlt an 15 von 39 Förderschulen Schulraum; mindestens 27 Klassen werden in Containern, ausgelagerten Standorten oder dauerhaften Außenstellen unterrichtet. „Die Zahlen, die jetzt vorliegen, bestätigen vor allem eines: Die Systembelastung an unseren Schulen ist real und seit Jahren bekannt“, erklärt der SLLV-Landesvorsitzende Dominik Schwer. Bereits in der Pressemitteilung vom 24. Juni unter dem Titel „Die Anforderungen wachsen – Die Zeit pro Kind nicht“ hatte der SLLV darauf hingewiesen, dass individuelle Förderung, Inklusion sowie soziale und emotionale Herausforderungen den Schulalltag zunehmend verdichten – während Lerngruppen groß und personelle Ressourcen begrenzt bleiben.
Auch bei konkreten Punkten sieht der SLLV seine langjährigen Forderungen bestätigt: Doppelbesetzungen fehlen vielerorts, obwohl sie in heterogenen Lerngruppen wichtige pädagogische Möglichkeiten eröffnen. Gleichzeitig werden die Unterstützungsbedarfe an Förderschulen komplexer. „Wenn sich die Schülerschaft und ihre Unterstützungsbedarfe verändern, können wir nicht mit einer Schüler:innen-Lehrkraft-Relation aus vergangenen Jahrzehnten arbeiten“, so Schwer.
Der SLLV fordert auf Basis dieser Datenlage unter anderem:
- Doppelbesetzung in den Hauptfächern in der Grundschule und in Klassenstufe 5 und 6 der Gemeinschaftsschule,
- eine funktionsfähige mobile Lehrkräftereserve, auch für Förderschullehrkräfte,
- eine Grundpersonalisierung von 120 Prozent,
- eine Entlastung der Lehrkräfte durch weniger Verwaltungsaufwand und eine Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung zugunsten von Beratungszeit.
„Wir wollen keinen ideologischen Diskurs darüber, ob Inklusion funktioniert oder nicht. Wir brauchen endlich Rahmenbedingungen, unter denen sie funktionieren kann“, betont Dominik Schwer. „Die Zahlen zeigen den Handlungsbedarf. Jetzt braucht das Saarland einen langfristigen, wissenschaftlich fundierten und parteiübergreifend getragenen Plan, der bei der frühen Förderung beginnt und bis zum Schulabschluss reicht.“
Die Pressemitteilung im PDF-Format 2026 – 08 – 05 Die Zahlen bestätigen den Handlungsbedarf – Wachsende Systembelastung, fehlende Ressourcen
