Rückblick und Ausblick
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
der Jahresbeginn ist traditionell der Moment, innezuhalten und den Blick zu schärfen: Was haben wir erreicht und was liegt noch vor uns? Auch wir als Landesvorstand nutzen diese Gelegenheit, nun gut acht Monate nach unserem Amtsantritt. In dieser kurzen Zeit haben wir bereits einige Bretter gebohrt, und weitere liegen schon bereit. Wir modernisieren unseren Verband, renovieren die Geschäftsstelle, etablieren neue Abläufe und Strukturen. Und all das parallel zum alltäglichen Geschäft, das uns zuletzt durchaus sportlich gefordert hat.
Gerade deshalb ist es entscheidend, trotz intensiver interner Arbeit nach außen klar und verlässlich zu bleiben. Dass uns das gelingt, zeigt unsere starke Präsenz in den Medien: Wir setzen Themen, stoßen Debatten an und werden als fachkundige Stimme wahrgenommen. Gleichzeitig suchen wir intensiv den Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern, relevanten Gremien und – mit Blick auf die Landtagswahl 2027 – verstärkt mit den Parteien. Unser Ziel ist klar: Die Perspektive der Lehrkräfte muss sich in den Wahlprogrammen fest wiederfinden.
Dabei formulieren wir die Dinge deutlich: Erstens sind unsere zentralen Forderungen – von der Personalisierung über den Bedarf, über A13 als Eingangsamt für alle Lehrkräfte bis hin zu einem verbindlichen Vorschuljahr und einem eigenständigen Studiengang Sonderpädagogik – keine Wunschliste. Sie sind die Mindestvoraussetzung dafür, dass Schule überhaupt funktionieren kann. Und zweitens greifen Einzelmaßnahmen zu kurz. Was wir brauchen, ist eine langfristige, evidenzbasierte und parteiübergreifende Gesamtstrategie.
Dass wir mit dieser Einschätzung richtigliegen, bestätigen unabhängige Analysen: Sowohl die Arbeitskammer Saarland als auch der IQB-Bildungstrend fordern genau das, was wir in unserem Leitantrag verankert haben: weg vom Stückwerk hin zu einer abgestimmten, wissenschaftlich fundierten und gesellschaftlich getragenen Bildungsplanung.
Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit nach wie vor ist, hat der Herbst erneut unmissverständlich gezeigt. Offiziell heißt es überall, die Stellen seien „besetzt“ – faktisch stehen jedoch immer häufiger Studierende statt ausgebildeter Lehrkräfte vor den Klassen. Gleichzeitig wird Schulen erschwert, Kinder aus pädagogischen Gründen im ersten Schuljahr verweilen zu lassen – nicht weil es ihren Bedürfnissen widerspricht, sondern weil man so neue Klassen vermeidet, für die es schlicht kein Personal gibt. Die mobile Reserve? Zum Schuljahresbeginn bereits leer gefegt. Das ist kein Konzept. Das ist Krisenverwaltung auf Sicht. Und die wachsende Aufgabenlast, die Schulen parallel zum Lehrkräftemangel aufgebürdet wird, bringt das System an seine Grenzen.
Damit muss Schluss sein! Wenn Schule der Ort ist, an dem alles zusammenläuft, dann darf sie nicht der Ort sein, an dem alles abgeladen wird.
Für diese Erkenntnis kämpfen wir – 2025 ebenso wie 2026. Denn „beste Bildung“ entsteht nicht über die Köpfe der Lehrkräfte hinweg. Sie entsteht nur, wenn Lehrkräfte sich einbringen können, wenn ihre Expertise ernst genommen wird und wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
In diesem Sinne: Packen wir es an!
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein erfolgreiches, gesundes und zuversichtliches Jahr 2026.
Dominik Schwer
Landesvorsitzender und Referent für Sonderpädagogik
