Pressemitteilung vom 26.02.2026: „Startklar Deutsch“: Früh fördern – aber realistisch planen
Pressemitteilung
Saarlouis, 26.02.26
„Startklar Deutsch“: Früh fördern – aber realistisch planen
Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) begrüßt das Ziel des vom Bildungsministerium vorgestellten Konzepts „Startklar Deutsch“. Eine frühzeitige, systematische Sprachdiagnostik sowie gezielte Förderung vor der Einschulung sind aus Sicht des Verbandes wichtige Schritte, um Bildungsgerechtigkeit zu stärken und Kinder besser auf den Schulstart vorzubereiten. Der SLLV erhofft sich, dass Kinder künftig sprachlich besser vorbereitet in Klasse 1 ankommen und der Unterricht in der Schuleingangsphase dadurch wirksamer gestaltet werden kann.
Impulse aus der Grundschulpraxis
Gleichzeitig weist der SLLV darauf hin, dass die praktische Umsetzung des Programms sorgfältig geplant und eng mit den Schulen abgestimmt werden muss. Das gilt insbesondere für die Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätten und Grundschulen im bereits bestehenden Kooperationsjahr. Nach der derzeitigen Planung sollen unter anderem auch Grundschullehrkräfte an der Sprachförderung beteiligt werden. Aus Sicht des SLLV ist jedoch vielerorts nicht gesichert, dass dafür ausreichend Personal zur Verfügung steht.
Frederike Potthoff erklärt: „Die Grundschulen unterstützen gezielte Sprachförderung ausdrücklich. Dennoch müssen wir realistisch auf die Personalsituation schauen. Wenn Kolleginnen und Kollegen fehlen oder Leitungsstellen nicht vollständig besetzt sind, könnte eine zusätzliche Förderung schnell zur Belastungsprobe werden.“ Der SLLV regt daher an, zu prüfen, ob bereits vorhandene Lehrer:innenstunden für dieses Vorhaben zielgerichteter eingesetzt werden können. Denkbar wäre etwa, die in die Freiwillige Ganztagsschule (FGTS) fließenden Lehrer:innenstunden für die geplante Sprachförderung zu nutzen.
Der SLLV weist zudem darauf hin, dass Grundschullehrkräfte nicht speziell dafür ausgebildet sind, Kinder in diesem Alter gezielt im Bereich der frühen Sprachförderung zu unterstützen. Die Sprachförderung bei vierjährigen Kindern stellt eine Aufgabe dar, die besondere Expertise aus der frühpädagogischen und sprachdiagnostischen Praxis erfordert.
Auch dort, wo Kitaplätze fehlen, sehen Grundschulen noch offene Fragen. In diesen Fällen soll ein vorläufiges schulisches Ersatzangebot für das Kind organisiert werden. Wie diese Angebote konkret ausgestaltet sind, wer sie trägt und wo sie stattfinden, ist aus Sicht vieler Schulen derzeit noch nicht ausreichend geklärt. Der SLLV hält es daher für wichtig, frühzeitig Transparenz zu schaffen, damit keine zusätzlichen Aufgaben ungeplant auf Schulen verlagert werden.
Darüber hinaus verweist der Verband auf organisatorische Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung entscheidend sind. Dazu gehören geeignete Räume, verlässliche Kooperationsstrukturen sowie eine funktionierende technische Ausstattung für digitale Verfahren. Mit Blick auf die Sprachstandserhebung regt der SLLV an, die Ergebnisse der eingesetzten App „Wuschel“ differenziert – etwa entlang der Niveaustufen 0, A1 und A2 – auszuwerten. Eine solche Rückmeldung könnte dazu beitragen, diagnostische Prozesse besser aufeinander abzustimmen und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Impulse aus der Förderschulpraxis
Der SLLV weist darauf hin, dass eine trennschärfere Terminologie im Konzept „Startklar Deutsch“ sinnvoll wäre. In der Kommunikation zum Konzept werden derzeit unterschiedliche Bezeichnungen wie „Kinder mit erheblichem Förderbedarf“ oder „Sprachförderbedarf“ verwendet, wenn über die zu testenden Kinder gesprochen wird. Im Schulwesen ist der Begriff „Förderbedarf“ allerdings eng mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf verbunden, der ausschließlich durch eine entsprechende Diagnostik festgestellt wird und mit spezifischen rechtlichen Konsequenzen einhergeht. Der Verband empfiehlt daher, für die Zielgruppe des Programms eine klar abgegrenzte Bezeichnung zu verwenden. Gemeint sind Kinder, die noch nicht über ausreichende sprachliche Kompetenzen verfügen, um in Klasse 1 sprachlich anschlussfähig zu sein – nicht automatisch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Sprache. Eine transparentere Darstellung der getesteten sprachlichen Bereiche sowie der wissenschaftlichen Grundlagen des Instruments könnte zudem dazu beitragen, die bereits vorhandene Qualität und Stärke des Projekts öffentlich noch sichtbarer zu machen.
Zusätzliche Hinweise
Letztlich will der SLLV auch auf die Situation im frühpädagogischen Bereich aufmerksam machen. Als Lehrerinnen- und Lehrerverband verfügt der SLLV zwar nur begrenzt über Einblicke in die konkreten Strukturen der Kitas, sieht es jedoch als Teil seiner kollegialen Verantwortung, auf mögliche Belastungen hinzuweisen. Die Übertragung zusätzlicher diagnostischer Aufgaben auf ein bereits stark beanspruchtes System Kita sollte aus Sicht des Verbandes daher sorgfältig begleitet werden.
Ausblick
Der SLLV unterstreicht seine Unterstützung für das Vorhaben. Entscheidend wird nun sein, die beteiligten Systeme ausreichend auszustatten und strukturell zu stärken. Mit seinen Hinweisen versteht sich der Verband als konstruktiver Partner im Prozess: Ziel ist es, die Perspektive der Praxis einzubringen, damit das Projekt unter tragfähigen Rahmenbedingungen umgesetzt wird und seine intendierte Wirkung entfalten kann – ohne die ohnehin stark beanspruchten Kitas und Schulen zusätzlich zu belasten. Frederike Potthoff betont abschließend: „Unser Ziel ist nicht, das Projekt zu kritisieren, sondern dazu beizutragen, dass es in der Praxis funktioniert. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann ‚Startklar Deutsch‘ ein wichtiger Baustein für mehr Bildungsgerechtigkeit im Saarland werden.“
Die Pressemitteilung im PDF-Format: 2026-02-26 „Startklar Deutsch“ – früh fördern, aber realistisch planen
