LuSh Ausgabe 09-10/2026
Heißer Start auf dünnem Eis
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
vor jedem Schuljahresbeginn hoffe ich auf einen einigermaßen entspannten Start. Selten lag ich damit so daneben wie in diesem Jahr. Und dabei brachte uns nicht nur das Arbeitspensum ins Schwitzen.
Schon in der ersten Schulwoche war vielerorts an normalen Unterricht kaum zu denken. Bei über 30 Grad suchten Lehrkräfte mit ihren Klassen Schatten, Wald oder Freibad. Unsere Botschaft: „Einzelne Hitzetage können Schulen stemmen, Hitzeperioden nicht.“ Viele Schulgebäude und Schulhöfe sind darauf schlicht nicht vorbereitet. Wir brauchen einen klaren Handlungsrahmen und Investitionen der Schulträger.
Gespart wurde allerdings nicht nur an Gebäuden. Parlamentarische Anfragen der CDU-Fraktion zeigen, wie dünn die sonderpädagogische Unterstützung an Regelschulen ist: weniger als drei Stunden pro Klasse und Woche, an Grundschulen eher zwei. Das passt nur schwer zum Mantra, alle Planstellen seien besetzt. Entscheidend ist, was im Klassenzimmer ankommt.
Fast zeitgleich veröffentlichte der Landesrechnungshof seinen Sonderbericht zur Lehrkräftegewinnung. Viele seiner mehr als 20 Empfehlungen finden sich seit Langem in unseren Forderungen: mehr Personal, ein Studiengang Sonderpädagogik und eine durchdachte Gesamtstrategie. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen und Entlastung. Oder, wie wir es bereits im März formuliert haben: „Mehr Zeit fürs Kind.“
Wie wichtig diese Beziehungsarbeit ist, zeigte auch der Parlamentarische Abend der Landesschülervertretung. Psychische Gesundheit nimmt in ihrem Forderungskatalog viel Raum ein. Hohe Arbeitsbelastung, Druck, immer neue Anforderungen: Manches davon kommt uns Lehrkräften bekannt vor.
Wenn Schule dauerhaft unter Druck steht, kommt dieser Druck bei den Menschen an, die darin lernen und arbeiten. Wir wollen deshalb aufhören, Schule irgendwie am Laufen zu halten. Sie soll gut funktionieren können.
Was es dafür braucht, haben wir mit unserer Boxenaktion für Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und Förderschulen konkret formuliert. Am 19. August haben wir die Boxen Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und Staatssekretärin Jessica Heide übergeben. Unsere Forderungen liegen damit bei den Verantwortlichen auf dem Tisch.
Und dort werden wir sie mit der nötigen Hartnäckigkeit immer wieder auf den Tisch legen.
In diesem Sinne: Packen wir’s an!

Mit kollegialen Grüßen
Ihr Dominik Schwer
Landesvorsitzender des SLLV



