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Empirische Unterrichtsforschung – Soziale Unterschiede abfedern
4. März 2026

Wie kann Unterricht gestaltet werden, um Leistungsunterschiede nach der sozialen Herkunft abzuschwächen?

 

Kürzlich hat ein Forschungsprojekt (Nachbauer, 2023) sowohl den hierzu bestehenden Forschungsstand aufbereitet als auch für Deutschland repräsentative Analysen auf der Grundlage des Nationalen Bildungspanels (NEPS) vorgelegt. Aus den Forschungsbefunden können konkrete Empfehlungen abgeleitet werden, wie Lehrkräfte den Unterricht gestalten sollten, um den Einfluss der sozialen Herkunft auf den Lernerfolg abzuschwächen. Im vorliegenden Bericht werden zentrale Erkenntnisse in den Bereichen Unterstützung und Feedback, leistungsheterogene Gruppen sowie schüler*innenzentrierter Unterricht zusammenfassend dargestellt.

Unterstützung und Feedback

Ein zentrales Hindernis für ein gleichermaßen erfolgreiches Lernen aller Schüler*innen besteht darin, dass Schüler*innen mit niedrigem Sozialstatus häufig über ungünstigere Lernvoraussetzungen verfügen, z. B. in Bereichen wie Vorwissen, bildungssprachlichen Fähigkeiten oder Selbstregulation (Überblick bei Nachbauer, 2023). Auch deshalb haben diese Schüler*innen im Unterricht vermehrt mit Lernproblemen zu kämpfen und sind in besonderem Maße auf Unterstützung und Feedback durch die Lehrkraft angewiesen. Um Leistungsunterschieden entgegenzuwirken, sollte die Lehrkraft Lernprobleme frühzeitig feststellen, Schüler*innen gezielte Hilfestellungen anbieten und regelmäßig Rückmeldungen zu Vorgehensweisen und Ergebnissen geben. Auch ein emotional warmes Unterrichtsklima, in dem Schüler*innen Lob und einen konstruktiven Umgang mit Fehlern erfahren, ist förderlich.

Die Relevanz von Unterstützung und Feedback wird durch eine Reihe von Forschungsbefunden untermauert. In der deutschen Studie, die Gegenstand dieses Be- richts ist, wird ermittelt, dass eine intensive Unterstützung der Lehrkraft während des Bearbeitens von Aufgaben bewirkt, dass Leistungsunterschiede nach der sozialen Herkunft verringert werden (Nachbauer, 2023). Dieser Befund steht im Einklang mit internationalen Studien, wonach Schüler*innen aus sozial benachteiligten Familien in besonderem Maße von Unterstützung und Feedback profitieren (Brophy & Good, 1986; Dietrichson et al., 2017). Anzumerken ist, dass in einer weiteren Studie ein gegenteiliger Befund ermittelt wird: Ein unterstützendes Unterrichtsklima führe zur Verstärkung von Leistungsunterschieden nach der sozialen Herkunft (Atlay et al., 2019). Die Autor*innen vermuten, dass die Lehrkräfte in dieser Stichprobe mehr unterstützende Interaktionen mit den leistungsstärkeren Schüler*innen als mit den leistungsschwächeren Schüler*innen hatten. Demnach ist für die Abschwächung von Leistungsunterschieden nicht nur das Ausmaß an Unterstützung relevant, sondern insbesondere auch die Verteilung von Unterstützung.

 

Leistungsheterogene Gruppen

Neben der Lehrkraft stellen auch die Mitschüler*innen eine wichtige Quelle für Unterstützung dar. Inwieweit dieses Potenzial ausgeschöpft wird, hängt wesentlich von der Art und Weise ab, wie die Schüler*innen im Unterricht gruppiert werden. Konkret scheint beim Einsatz von Partner*innen-/Gruppenarbeiten die Bildung von leistungsheterogenen Paaren/Gruppen empfehlenswert. Das bedeutet, dass leistungsstärkere und leistungsschwächere Schüler*innen gemeinsam an Aufgaben arbeiten. Die soziale Interaktion mit leistungsstärkeren Mitschüler*innen ist besonders förderlich, da diese ein Vorbild für Anstrengungsbereitschaft bieten, Denkprozesse zur Lösung von Aufgaben veranschaulichen oder Hilfestellungen bei Lernproblemen geben können.

Forschungsbefunde belegen, dass diese Art des kooperativen Lernens von großem Nutzen für Schüler*innen mit niedrigem sozialem Status ist. In der hier besprochenen deutschen Studie wird festgestellt, dass die Bildung von leistungsheterogenen Gruppen zu geringeren Leistungsunterschieden nach der sozialen Herkunft führt (Nachbauer, 2023). Auch in internationalen Studien zeigt sich, dass von leistungsheterogenen Paaren/Gruppen insbesondere benachteiligte Schüler*innen profitieren (Lou et al., 1996; Rohrbeck et al., 2003).

Schüler*innenzentrierter Unterricht

Wie bereits die Studie von Atlay und Kolleg*innen (2019) gezeigt hat, kann die Unterrichtsgestaltung nicht nur zu einer Abschwächung von Leistungsunterschieden führen, sondern auch zu einer Verstärkung. Ähnliche Effekte werden auch bei einer intensiven Verwendung von schüler*innenzentriertem Unterricht angenommen. Schüler*innenzentrierter Unterricht ist eine Oberkategorie für verschiedene Unterrichtsmethoden, bei denen die Steuerung des Lernens maßgeblich in der Verantwortung der Schüler*innen liegt (z. B. entdeckendes Lernen, offener Unterricht). Diese Art des Unterrichtens stellt hohe Anforderungen an die Lernvoraussetzungen der Schüler*innen, denn diese müssen eigenständig ihre Lernaktivitäten planen, regulieren und bewerten. Schüler*innen aus sozial benachteiligten Familien können dabei leicht überfordert werden.

Mehrere Studien liefern entsprechende Belege. In einer deutschen Studie (Möller et al., 2002) werden eine rein schüler*innenzentrierte Unterrichtsmethode und eine ausgewogene Unterrichtsmethode (mit schüler*innen- und lehrkraftzentrierten Anteilen) miteinander verglichen. Schüler*innen mit günstigen Lernvoraussetzungen lernen bei beiden Unterrichtsmethoden ähnlich viel. Schüler*innen mit ungünstigen Lernvoraussetzungen lernen dagegen bei der rein schüler*innenzentrierten Unterrichtsmethode weniger als bei der ausgewogenen Unterrichtsmethode. Vergleichbare Befunde werden auch in internationalen Studien berichtet (Andersen & Andersen, 2017; Vanlaar et al., 2014).

 

Die Grafik des DIW Berlin zeigt, dass die schulischen Kompetenzen von Schulanfänger*innen in Deutschland besonders stark von ihrer sozialen Herkunft abhängen.

  • Sprachkompetenzen: 19,5 % der Unterschiede in Sprachkompetenzen in Deutschland können auf die soziale Herkunft (gemessen an Bildung und Einkommen der Eltern) zurückgeführt werden, der höchste Wert im internationalen Vergleich.
  • Mathekompetenzen: Bei Mathekompetenzen sind es in Deutschland 13,9 %.
  • Internationaler Vergleich: In Ländern wie Frankreich (6,8 % Sprache, 7,4 % Mathe) und Japan (4,6 % Sprache, 7,1 % Mathe) ist dieser Einfluss deutlich geringer.

 

Fazit

Die dargestellten Forschungsbefunde zeigen, dass die Unterrichtsgestaltung einen Einfluss auf die Entstehung von Leistungsunterschieden nach der sozialen Herkunft hat. Um Leistungsunterschiede abzuschwächen, sollte die Lehrkraft

  • viel Unterstützung und Feedback bieten (und hierbei insbesondere leistungsschwächere Schüler*innen fokussieren),
  • leistungsheterogene Paare/Gruppen bilden,
  • die Verwendung von rein schüler*innenzentrierten Unterrichtsmethoden begrenzen und stattdessen ausgewogene Unterrichtsmethoden bevorzugen.

Abschließend ist anzumerken, dass neben der Unterrichtsgestaltung weitere Ansatzpunkte zur Reduktion von Leistungsunterschieden nach der sozialen Herkunft bestehen. Auch an Ganztagsschulen wird die Erwartung gestellt, dass sie Leistungsunterschiede verringern. Ebenso wird in Hinblick auf die Klassengröße sowie auch die soziale oder leistungsmäßige Komposition der Schulklasse angenommen, dass sie eine Rolle für die Entstehung von Leistungsunterschieden spielen. Die in diesen Bereichen vorhandenen Forschungsbefunde sind aber nicht eindeutig; sie werden bei Nachbauer (2023) ebenfalls zusammengefasst. Schließlich wird auch eine frühe Selektion der Schüler*innen in unterschiedliche Bildungsgänge mit der Verstärkung von Leistungsunterschieden in Zusammenhang gebracht; im deutschen Kontext wurde in diesem Zusammenhang etwa auf die Bedeutung von Schulformen als „differenzielle Entwicklungsmilieus“ hingewiesen (z. B. Baumert et al., 2009). Eine aktuelle Zusammenfassung der Forschungsbefunde zu diesem Thema findet sich bei Terrin und Triventi (2023).

 

Der Autor

Max Nachbauer, Dipl.-Päd. und Dr. phil, ist assoziierter Wissenschaftler am Arbeitsbereich Schulpädagogik/Schulentwicklungsforschung der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Unterrichtsqualität, Unterrichtsentwicklung, Ganztagsschulen, Bildungsungleichheiten und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

 

Der Artikel ist erstmals erschienen in

DDS – Die Deutsche Schule

115. Jahrgang 2023, Heft 3, S. 274–278

https://doi.org/10.31244/dds.2023.03.10

CC BY-NC-ND 4.0 Waxmann 2023

 

Dieser Artikel steht unter folgender Creative-Commons-Lizenz:

http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de

 

Literaturverzeichnis und Internetquellen

Andersen, I. G., & Andersen, S. C. (2017). Student-Centered Instruction and Academic Achievement: Linking Mechanisms of Educational Inequality to Schools’ Instructional Strategy. British Journal of Sociology of Education, 38 (4), 533–550. https://doi.org/10.108 0/01425692.2015.1093409

Atlay, C., Tieben, N., Hillmert, S., & Fauth, B. (2019). Instructional Quality and Achievement Inequality: How Effective is Teaching in Closing the Social Achievement Gap? Learning and Instruction, 28 (63). https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2019.05.008

Baumert, J., Maaz, K., Stanat, P., & Watermann, R. (2009). Schulkomposition oder Institution – was zählt? Schulstrukturen und die Entstehung schulformspezifischer Entwicklungsverläufe. DDS – Die Deutsche Schule, 101 (1), 33–46. https://doi.org/10.25656/01:25536

Brophy, J., & Good, T. L. (1986). Teacher Behavior and Student Achievement. In M. C. Wittrock (Hrsg.), Handbook of Research on Teaching (S. 328–375). Macmillan.

Dietrichson, J., Bøg, M., Filges, T., & Klint Jørgensen, A.-M. (2017). Academic Interventions for Elementary and Middle School Students with Low Socioeconomic Status: A Systematic Review and Meta-Analysis. Review of Educational Research, 87 (2), 243–282. https://doi.org/10.3102/0034654316687036

Lou, Y., Abrami, P. C., Spence, J. C., Poulsen, C., Chambers, B., & d’Apollonia, S. (1996). Within-Class Grouping: A Meta-Analysis. Review of Educational Research, 66 (4), 423– 458. https://doi.org/10.3102/00346543066004423

Möller, K., Jonen, A., Hardy, I., & Stern, E. (2002). Die Förderung von naturwissenschaftlichem Verständnis bei Grundschulkindern durch Strukturierung der Lernumgebung. In J. Doll & M. Prenzel (Hrsg.), Bildungsqualität von Schule. Schulische und außerschulische Bedingungen mathematischer, naturwissenschaftlicher und überfachlicher Kompetenzen (S. 176–191). Beltz.

Nachbauer, M. (2023). Die Effekte von Schule auf Leistungsentwicklung und Leistungsunterschiede nach sozialer Herkunft. Eine Längsschnittstudie zu Ursachen von und Maßnahmen gegen Bildungsungleichheiten. Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830997320

Rohrbeck, C. A., Ginsburg-Block, M. D., Fantuzzo, J. W., & Miller, T. R. (2003). Peer-Assisted Learning Interventions with Elementary School Students: A Meta-Analytic Review. Journal of Educational Psychology, 95 (2), 240–257. https://doi.org/10.1037/0022-0663. 95.2.240

Terrin, É., & Triventi, M. (2023). The Effect of School Tracking on Student Achievement and Inequality: A Meta-Analysis. Review of Educational Research, 93 (2), 236–274. https://doi. org/10.3102/00346543221100850

Vanlaar, G., Denies, K., Vandecandelaere, M., van Damme, J., Verhaeghe, J. P., Pinxten, M., & De Fraine, B. (2014). How to Improve Reading Comprehension in High-Risk Students: Effects of Class Practices in Grade 5. School Effectiveness and School Improvement, 25 (3), 408–432. https://doi.org/10.1080/09243453.2013.811088

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