LuSh Ausgabe 03-04/2026
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Qualität von Schule steht und fällt mit der Professionalität derjenigen, die in ihr arbeiten. Lehrkräfte sind keine „Allrounder“, sondern pädagogische Fachpersonen, deren Handeln auf einer fundierten, abgeschlossenen, schulformbezogenen Ausbildung basiert. Diese Professionalität ist kein Selbstzweck. Vielmehr ist sie Voraussetzung für verlässliche Bildungsarbeit, für Chancengerechtigkeit und für das Vertrauen von Eltern und Gesellschaft in Schule.
Umso aufmerksamer müssen wir Entwicklungen betrachten, die diese Professionalität in Frage stellen oder relativieren. Wenn Ausbildung, Qualifikation und Berufserfahrung zunehmend an Bedeutung verlieren, wenn kurzfristige Lösungen strukturelle Probleme lösen sollen, dann gerät das Berufsverständnis von Lehrkräften unter Druck. Eine solche De-Professionalisierung betrifft besonders die Grundschule, in der neben der fachlichen Qualifikation pädagogische Beziehungsgestaltung, diagnostische Kompetenz und didaktische Sicherheit von zentraler Bedeutung sind.
Ich möchte an dieser Stelle deutlich betonen, dass es in der aktuellen Lage oft sehr dankenswert ist, dass junge Menschen während oder nach ihrem Studium Unterricht übernehmen und Lücken im System füllen. Diese Menschen sind jedoch weit mehr als bloße Lückenfüller. Sie bauen tragfähige Beziehungen zu Kindern auf, übernehmen Verantwortung und begleiten sie ein kürzeres oder längeres Stück auf ihrem Bildungsweg. Das ist wertvolle, bedeutsame Arbeit, die Anerkennung verdient. Gleichzeitig muss klar benannt werden: Diese Kolleginnen und Kollegen sind noch nicht vollends qualifiziert im Sinne einer abgeschlossenen Ausbildung. Sie werden häufig alleingelassen im Unterricht, erhalten nicht die fachliche Begleitung, die ihnen an diesem Punkt zustehen würde und die für ihre weitere Ausbildung von Relevanz wäre. Sie tragen dennoch die volle Verantwortung. Was hier als pragmatische Lösung erscheint, darf nicht zur strukturellen Normalität werden – weder auf ihrem Rücken noch auf dem der Kinder. Zu glauben, in der Grundschule zu arbeiten, brauche keine abgeschlossene Ausbildung, drückt aus, wie gering diese anspruchsvolle Arbeit wertgeschätzt wird.
So zeigt sich De-Professionalisierung nicht nur in Aufgaben und Erwartungen, sondern auch in der Bewertung der geleisteten Arbeit. Solange Grundschullehrkräfte trotz hoher Verantwortung und anspruchsvoller fachlicher Anforderungen schlechter besoldet werden als Kolleginnen und Kollegen anderer Schulformen, sendet dies ein fatales Signal. Wer Professionalität einfordert, muss sie auch anerkennen – strukturell, rechtlich und finanziell.
Als SLLV fordern wir deshalb konsequent A13 auch für Grundschullehrkräfte. Gleichzeitig setzen wir uns für eine konsequente Professionalisierung des Lehrkräfteberufs ein: durch klare Ausbildungswege, verlässliche Qualifizierungsstandards, begleitete Berufseinstiege und Rahmenbedingungen, die professionelles pädagogisches Handeln ermöglichen. Eine angemessene Besoldung ist dabei kein Privileg, sondern ein zentraler Baustein der Anerkennung professioneller Arbeit. Sie ist ein notwendiger Schritt, um De-Professionalisierung entgegenzuwirken, den Lehrkräfteberuf in der Grundschule nachhaltig zu stärken und jungen Menschen eine klare Perspektive zu geben.

Mit herzlichen Grüßen
Frederike Potthoff
stellvertretende Landesvorsitzende und Referentin für Grundschulpädagogik



