Interview mit VBE-Bundesvorsitzenden Beckmann

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Wertschätzung durch Entlastung und Entlohnung!

 Am 5. Oktober wird weltweit der Tag des Lehrers begangen. Er geht zurück auf die Unterzeichnung der „Charta zum Status der Lehrerinnen und Lehrer“ von UNESCO und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, einer Sonderorganisation der UN, am 5. Oktober 1964. Die internationale Bildungsgewerkschaft, Education International, hat den diesjährigen Weltlehrertag unter das Motto „Lehrkräfte wertschätzen, ihren Status verbessern“ gestellt. Zu diesem Thema sprachen wir mit dem VBE-Bundesvorsitzenden, Udo Beckmann.

Werden Lehrkräfte in Deutschland zu wenig wertgeschätzt?

Ein wertschätzender Umgang setzt eine Empfänglichkeit für die Bedürfnisse des Gegenübers voraus. Gerade zwischen Politik und Schule gibt es hier eine Schieflage. Wir wissen aus unseren Umfragen, dass Lehrkräfte die politischen Entscheidungen realitätsfern finden. Damit drückt die Politik nicht nur Praxisferne aus, sondern eben auch, dass die Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer nicht genügend wertgeschätzt wird. Immer mehr Aufgaben sollen in immer kürzerer Zeit und größeren und heterogeneren Lerngruppen von diesen bewältigt werden. Die Politik formuliert Anforderungen an Schule, die unter den von der Politik gegebenen Rahmenbedingungen von den Lehrkräften nicht eingelöst werden können. Das ist nicht nur eine Gefahr für die Lehrergesundheit, sondern schadet auch dem Image des Lehrerberufs.

Was sollte geändert werden, damit Lehrkräfte sich wertgeschätzt fühlen?

Lehrkräfte sollen angehört und ihre Hinweise ernst genommen werden. Leider wird das, was Lehrkräfte als Problem benennen, oft als Lamentieren abgetan. Bei der Umsetzung von Inklusion und Integration zeigt sich, dass Lehrkräfte bereit sind, sich Herausforderungen zu stellen und sich bis an die Grenze der Belastbarkeit einzubringen. Was fehlt, sind praxisnahe Entscheidungen der Politik, die die Realität an den Schulen berücksichtigt und die dazu führen, dass die einzelne Lehrerin und der einzelne Lehrer entlastet wird. Dazu gehören: die Möglichkeit, mit multiprofessionellen Teams zu arbeiten, das Unterrichten in kleineren Lerngruppen und die Unterstützung im Umgang mit heterogenen Lerngruppen.

Und natürlich geht Wertschätzung auch Hand in Hand mit gerechter Entlohnung und der Bereitstellung von genügend Zeitressourcen. Wir fordern daher den gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und die Verbeamtung, da nur so die Schulpflicht und die Verlässlichkeit des staatlichen Schulsystems sichergestellt werden kann.