Trotz Lehrermangels alle Stellen vorerst besetzt

Thomas Braun   23.08.2016 | 11:56 Uhr

Anders als andere Bundesländer hat das Saarland zum neuen Schuljahr alle 8200 Lehrerstellen besetzen können, darunter auch die knapp 70, die aufgrund des starken Flüchtlingszuzugs neu geschaffen wurden. Doch ganz so rosig, wie es die Zahlen vermuten lassen, ist die Lage nicht.

Der Markt für Grundschullehrer bundesweit ist leergefegt – in Nordrhein-Westfalen etwa fehlen zum neuen Schuljahr an vielen Schulen Lehrer. Im Saarland ist die Lage noch anders: Hier konnten alle 8200 Vollzeitstellen, darunter auch die knapp 2000 für Grundschullehrer, besetzt werden.

Auch für die meisten der vakanten Schulleiterposten wurden Kandidaten gefunden – über alle Schulformen gibt es kurz vor dem Ferienende nur noch acht freie Stellen, in allen steht das Auswahlverfahren laut Bildungsministerium aber kurz vor dem Abschluss.

Nachbesetzungen werden problematisch

Was auf den ersten Blick wie eine Erfolgsmeldung aussieht, ist tatsächlich aber sehr auf Kante genäht. Es sei im Prinzip jeder eingestellt worden, der auf dem Markt ist, sagt Lisa Brausch vom Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband. „Gerade im Grundschulbereich hatten wir eine sehr hohe Einstellungsquote.“ Meist handelte es sich dabei direkt um Beamtenstellen.

Nur sei der Markt jetzt komplett leer. „Wenn jetzt noch weitere Planstellen geschaffen werden, wird es schwer, jemanden zu finden“, so Brausch. Das gelte auch, wenn jemand wegen längerer Krankheit oder Schwangerschaft ausfalle und Stellen nachbesetzt werden müssten. Da gebe es jetzt schon Engpässe und es müsse auf fach- und schulformfremde Lehrkräfte zurückgegriffen werden. Das bedeutet, es kommt auch vor, dass etwa Gymnasiallehrer oder angehende Lehrkräfte mit nur einem Staatsexamen ab nächster Woche vor einer Grundschulklasse stehen werden.

Lehrerberuf attraktiver gestalten

Glücklich ist der Verband damit nicht. Er fordert, den Beruf des Grundschullehrers im Saarland attraktiver zu gestalten. Dazu gehöre vor allem, die reduzierte Eingangsbesoldung für angehende Lehrer wieder zurückzunehmen – sonst würden sich die jungen Lehrer in anderen Bundesländern umsehen. Dort wird teilweise aktiv um Nachwuchs geworben. „Manche Länder machen Werbung, als würden sie Urlaubsreisen verkaufen“, so Brausch.

Rektoren mit wenig Berufserfahrung

Auch dass viele vakante Rektorenstellen mittlerweile besetzt werden konnten, sieht der Lehrerverband nicht nur positiv. In vielen Fällen habe man nicht wirklich von einem Auswahlverfahren sprechen können, oft hätten sich nur sehr wenige Kandidaten beworben.

Hinzu kommt: Früher musste ein Lehrer mindestens fünf Jahre Berufserfahrung vorweisen, bevor er sich auf eine Leitungsstelle bewerben konnte. Mittlerweile sei das „fünf Jahre“ durch „mehrjährig“ ersetzt worden, so Brausch. Per Definition erfüllt also schon ein Lehrer mit einem Jahr Berufserfahrung die Voraussetzungen – was der Lehrerverband kritisch sieht. Er fordert generell attraktivere Rektorenstellen mit einer angemessenen Besoldung und vor allem weniger Unterrichtsverpflichtung.